Der Erste Entwurf

Heute Morgen habe ich einen wichtigen Meilenstein erreicht. Der erste Entwurf des Buches ist fertig!

In den letzten Tagen habe ich bemerkt, dass ich mich etwas vor dem Ende gedrückt habe. Der Grund davor war Angst. Ich hatte Angst, mich demnächst von den Charakteren zu trennen, die mir während den letzten vier Monaten so ans Herz gewachsen waren. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würden gute Freunde auf unbestimmte Zeit verreisen. Ohne mich. Man will nicht, dass sie gehen, doch man weiss, dass es zu ihrem Besten ist. Und weil man ein Freund ist, verdrückt man sich die Tränchen und winkt lächelnd zum Abschied.

Doch meine Freunde reisen erst mal nicht nach Australien oder sonst wohin, sondern in die Schublade. Zuvor habe ich sie ausgedruckt und mit Draht gebunden. Ich musste das Manuskript einige Male durchfächern. Es ist ein tolles Gefühl, die Arbeit endlich in der Hand zu halten. Mit dem Druck wurde das Buch real, die Dateien auf dem Computer lebendig.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Seiten da so zusammen kommen, wenn man jeden Tag ein bisschen schreibt. Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Stephen King rät, dass man einen ersten Entwurf sechs Wochen reifen lassen und unter keinen Umständen vorher darin stöbern soll. Man soll dadurch Abstand gewinnen und das Werk mit neuen Augen betrachten. Ich werde mich daran halten, und mich in der Zwischenzeit einer anderen Geschichte zuwenden.

Ablenkung

Seit drei Monaten arbeite ich täglich an einem Buch. Es gab insgesamt vielleicht fünf Tage, an denen ich nicht geschrieben habe. Und wenn ich nicht geschrieben habe, war ich damit beschäftigt, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie die Geschichte weiter geht – oder warum ich nicht schreibe.

Das Schwierigste am Schreiben ist, sich hinzusetzen und anzufangen, besonders wenn man nicht muss. Nichts ausser mein Drang und Wille hindert mich daran, es einfach sein zu lassen und statt dessen den Geschirrspüler einzuräumen. Ablenkungen lauern an jeder Ecke und manchmal hatte ich das paranoide Gefühl, dass mich etwas aktiv davon abzuhalten versuchte.

Ich habe mir aber das Schreiben zur Priorität gemacht, komme was wolle. Inzwischen kann ich gar nicht mehr anders. Es ist zur Gewohnheit geworden. Und wenn ich mal trotzdem nicht kann, bin ich unausstehlich.

Für den ersten Entwurf setzte ich mir eine Ziel von 2000 Wörtern pro Tag. Das ist ambitiös und ich muss gestehen, dass mein Schnitt wohl eher in der Hälfte liegt. Es gibt aber auch diese guten Tage, wo ich das Ziel locker übertreffe. Nur dann kann ich mich auch mal zurücklehnen und mir sagen: »So, für heute hast Du genug geleistet«.

Denn als Selbstständiger ist man irgendwie nie richtig fertig. Es gäbe immer was zu tun und Feierabend ist keine Zeitfrage, sondern Kopfsache. Besonders bei einem Marathonprojekt wie dem Verfassen eines Romans. Und da sind auch noch meine Kinder und das Haus, wo zwei neue Dinge kaputt gehen, während ich das eine repariere. Das liegt aber wohl an meinen bescheidenen handwerklichen Fähigkeiten.

Man kann allem die Schuld geben, doch Ablenkung entspringt dem Inneren. Sich ablenken zu lassen und die Verantwortung abschieben ist einfach. Doch wenn man sich nicht mehr ablenken lässt, begreift das Universum, dass man es offenbar ernst meint und wirft einem nicht mehr so viele Steine in den Weg. Das Wichtigste ist, dass man sich selbst erlaubt, seinem Traum zu folgen und endlich aufhört, Ausreden zu erfinden. Denn dafür hat das Universum kein Verständnis.

Ein Neuanfang

Hin und wieder braucht es einen Neuanfang. So auch dieser Blog, den ich in den vergangenen zehn Jahren mal fleissig, mal stiefmütterlich mit Artikeln gefüttert hatte.

Ich habe heute alles gelöscht.

Der Grund war, dass hier das Chaos herrschte. Man fand Artikel zu irgendwelchen Command Line Hacks wie auch Top Ten Listen zu Filmmusik oder meine Gedanken zur Kindererziehung. Und wie gut ich die Serie „Breaking Bad“ damals fand interessiert heute auch kein Schwein mehr.

Überrascht war ich, dass der meist kommentierte Beitrag davon handelte, wie man den Wochentag eines beliebigen Datums im Kopf bestimmt. Ich weiss auch gar nicht mehr, warum ich darüber geschrieben habe, denn in heutigen Zeiten ist das doch eine eher fragwürdige Fähigkeit. Frauen abschleppen kann man damit jedenfalls nicht. Glaub mir, ich hab’s versucht.

Ich werde hier regelmässig berichten, wie ich mit meinem Buch voran komme. Denn ja, ich habe mir einen Traum erfüllt, zeitfressende Monster bezwungen und mich auf meinen Hintern gesetzt, um meiner inneren Stimme nachzugeben, die mir schon seit 25 Jahren zuflüstert. Seit mehr als einem Jahr erlaube ich mir wieder, täglich zu schreiben.

Kurz: Der Blog ist tot, lang lebe der Blog.