Ablenkung

Seit drei Monaten arbeite ich täglich an einem Buch. Es gab insgesamt vielleicht fünf Tage, an denen ich nicht geschrieben habe. Und wenn ich nicht geschrieben habe, war ich damit beschäftigt, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie die Geschichte weiter geht – oder warum ich nicht schreibe.

Das Schwierigste am Schreiben ist, sich hinzusetzen und anzufangen, besonders wenn man nicht muss. Nichts ausser mein Drang und Wille hindert mich daran, es einfach sein zu lassen und statt dessen den Geschirrspüler einzuräumen. Ablenkungen lauern an jeder Ecke und manchmal hatte ich das paranoide Gefühl, dass mich etwas aktiv davon abzuhalten versuchte.

Ich habe mir aber das Schreiben zur Priorität gemacht, komme was wolle. Schmerzen, Depressionen, Panikattacken oder unvorhergesehene Rechnungen. Egal. Ich schreibe. Und inzwischen ist es ganz unbemerkt zur Gewohnheit geworden. Ich kann gar nicht mehr anders. Und wenn ich mal trotzdem nicht kann, bin ich unausstehlich.

Für den ersten Entwurf setzte ich mir eine Ziel von 2000 Wörtern pro Tag. Das ist ambitiös und ich muss gestehen, dass mein Schnitt wohl eher in der Hälfte liegt. Es gibt aber auch diese guten Tage, wo ich das Ziel locker übertreffe. Nur dann kann ich mich auch mal zurücklehnen und mir sagen: »So, für heute hast Du genug geleistet«.

Denn als Selbstständiger ist man irgendwie nie richtig fertig. Es gäbe immer was zu tun und Feierabend ist keine Zeitfrage, sondern Kopfsache. Besonders bei einem Marathonprojekt wie dem Verfassen eines Romans. Und da sind auch noch meine Kinder und das Haus, wo zwei neue Dinge kaputt gehen, während ich das eine repariere. Das liegt aber wohl an meinen bescheidenen handwerklichen Fähigkeiten.

Man kann allem die Schuld geben, doch Ablenkung entspringt dem Inneren. Sich ablenken zu lassen und die Verantwortung abschieben ist einfach. Doch wenn man sich nicht mehr ablenken lässt, begreift das Universum, dass man es offenbar ernst meint und wirft einem nicht mehr so viele Steine in den Weg. Das Wichtigste ist, dass man sich selbst erlaubt, seinem Traum zu folgen und endlich aufhört, Ausreden zu erfinden. Denn dafür hat das Universum kein Verständnis.

Ein Neuanfang

Hin und wieder braucht es einen Neuanfang. So auch dieser Blog, den ich in den vergangenen zehn Jahren mal fleissig, mal stiefmütterlich mit Artikeln gefüttert hatte.

Ich habe heute alles gelöscht.

Der Grund war, dass hier das Chaos herrschte. Man fand Artikel zu irgendwelchen Command Line Hacks wie auch Top Ten Listen zu Filmmusik oder meine Gedanken zur Kindererziehung. Und wie gut ich die Serie „Breaking Bad“ damals fand interessiert heute auch kein Schwein mehr.

Überrascht war ich, dass der meist kommentierte Beitrag davon handelte, wie man den Wochentag eines beliebigen Datums im Kopf bestimmt. Ich weiss auch gar nicht mehr, warum ich darüber geschrieben habe, denn in heutigen Zeiten ist das doch eine eher fragwürdige Fähigkeit. Frauen abschleppen kann man damit jedenfalls nicht. Glaub mir, ich hab’s versucht.

Ich werde hier regelmässig berichten, wie ich mit meinem Buch voran komme. Denn ja, ich habe mir einen Traum erfüllt, zeitfressende Monster bezwungen und mich auf meinen Hintern gesetzt, um meiner inneren Stimme nachzugeben, die mir schon seit 25 Jahren zuflüstert. Seit mehr als einem Jahr erlaube ich mir wieder, täglich zu schreiben.

Kurz: Der Blog ist tot, lang lebe der Blog.